Berichte

Hier finden sich Berichte aus dem Alltag in Russland während der Jahre 2002 bis 2008, zunächst aus Sibirien, später aus Moskau und wohin immer ich gerade gereist war, also auch Kasachstan.Inspiriert wurde ich anfangs von einer Freundin, die während eines längeren Japanaufenthaltes regelmäßig sehr kurzweilige E-Mail-Berichte von dort verschickte und manch Erstaunliches zu berichten wusste. Also entschloss ich mich, Ähnliches zu versuchen, d.h. in Abständen über Absurdes, Wissenswertes, Wunderliches, Empörendes und Erbauliches, das mir widerfährt zu erzählen.

Einerseits kam das meiner Faulheit entgegen – so musste ich nicht allen Freunden einzeln das gleiche schreiben -, andererseits war und ist Russland für die meisten Deutschen nach wie vor die große Unbekannte, riesig und bedrohlich durch Kalte-Krieg-Propaganda, die bis heute bei vielen Meinungsführern nachzuwirken scheint, und Weltkriegserinnerungen „als die Russen kamen“. Dazu kommt, dass das Bild des Landes heute von der oft recht eigenwilligen und nicht unbedingt korrekten Berichterstattung unserer Medien geprägt wird. Hier fand ich aus Fairnisgründen ein Korrektiv nötig, auch wenn mich vieles selbst die Haare raufen lies (nach dem Motto: Ich mag Russland und die Russen, obwohl sie einem das manchmal echt nicht leicht machen). Nur: So plump und einfach, wie in den westlichen Medien meist dargestellt, ist es nicht.

Außerdem: das Leben in Russland hat seinen eigenen Charme, der, wenn man bereit ist offen und unvoreingenommen den Dingen zu begegnen, einen nicht mehr loslässt. Meine Freunde und Bekannte daran teilhaben zu lassen, war ich in diesen Berichten bemüht.

Anfangs reine Tatsachenbeschreibungen entwickelten sich die Texte im Laufe der Zeit inhaltlich und stilistisch zu komplexeren Veranstaltungen, da die oberflächlichen Absurditäten des Alltags irgendwann ihren Neuigkeitswert für mich verloren, sich dafür aber zuweilen Grundsätzliches in den Vordergrund schob. Letzteres fand nicht immer den Beifall aller Berichtsempfänger damals, doch gehört es zum Gesamtbild dazu wie Anekdoten über Korruption, Besäufnisse und echte Freundschaftsdienste, oder Kommentare zur Politik. Die Hoffnung war und ist, mit diesen Berichten zumindest für gute Unterhaltung zu sorgen, im besten Fall jedoch mehr interesse an Russland und seinen Menschen wachzurufen.

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